Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

In den neuen Bundesländern ist es vorerst gelungen, die wertvollsten Naturlandschaften vor zerstörerischer Nutzung zu bewahren. Nur wenig ist bekannt, welcher Naturreichtum sich in Ostdeutschland befindet. "Die Naturschutzgebiete sind das Tafelsilber, das die neuen Bundesländer in die Einheit mitgebracht haben, und die brandenburgischen sind am besten geputzt," so der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer im Dezember 1992, anlässlich der Eröffnung der Landesanstalt für Großschutzgebiete (LAGS) in Eberswalde.

Zu den besonders bewachten und hermetisch abgeschlossenen Gebieten, die fast ausschließlich der jagdlichen Nutzung oder Erholung der DDR-Oberen vorbehalten waren, gehört die Schorfheide und mitten in ihr der Werbellinsee. Sie ist mit 20 000 ha Forstfläche das größte Waldgebiet Brandenburgs und bildet den südwestlichen Teil des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin. Berühmt wurde diese Landschaft durch ihren Reichtum an Wild, berüchtigt durch das Gebaren der Herrschaftsjäger, die über 800 Jahre hinweg Wald und Wild für sich beanspruchten: brandenburgische Markgrafen und Kurfürsten, Hohenzollernregenten, Nazijägermeister und DDR-Politbürokraten.

Diese einzigartige Landschaft ist heute Teil des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin und innerhalb einer Autostunde von Berlin aus erreichbar. Das Gebiet des Biosphärenreservates erstreckt sich östlich bis zur Autobahn A11 Berlin-Stettin und westlich bis zur Havelniederung bei Zehdenick. Im Süden wird es durch das Thorn-Eberswalder Urstromtal begrenzt und fächert sich nach Norden zu den Ackerfluren der Uckermark. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin hat eine Gesamtfläche von 125 881 ha mit 35 000 Einwohnern in drei Kleinstädten und 75 Gemeinden. 48% der Fläche besteht aus Wald, 32% Acker, 6% Grünland, 7% Gewässer und der Rest ist Siedlungsfläche. 200 Seen, 335 Einzelmoore und ca. 4000 Kleinstmoore werden gezählt.

magna merica Werbellin - Die Schorfheide

Woher der Name Schorfheide stammt, läßt sich heute nicht mehr genau nachvollziehen. Manche Forscher leiten ihn von einer Schafherde ab, da bis ins 18 Jahrhundert hinein der Wald als Weide für Pferde, Schafe und Rinder diente. Andere wiederum beziehen ihn auf das Schürfen, das Aufsammeln von Eicheln, oder auf Schorf (=Grind), das sind grindige Blößen im Wald, die es hier ebenfalls gegeben haben soll.

In vielen Urkunden wird die Schorfheide erwähnt. Das Landbuch Karls IV. nennt bereits 1375 die "Verbellin" Heide als landesherrlichen Besitz. 1592 schreibt Nicolaus Leutinger in "Skriptorum des rebus Brandenburgensis" über die Grimnitzsche Heide, später auch "magna merica Werbellin", die große Werbellinische Heide genannt. Diese Bezeichnung gerät aber bald in Vergessenheit und immer häufiger taucht der Name "Schorfheide" auf. 1767 erscheint die wohl erste Revierkarte des Forstamtes Grimnitz, sie nennt den südwestlichen Teil der "magna merica Werbellin" - "Schorff-Heyde". 1847/48 wurde das Jagdhaus "Hubertusstock" im Belauf der Schorfheide durch König Friedrich Wilhelm IV. errichtet. Von jetzt an ist der Name vielen Menschen geläufig.