Chronik Eichhorst

An der Südspitze des Werbellinsees, am Werbellinkanal, liegt das Walddorf Eichhorst. Bis zum Jahre 1878 führte die Siedlung den Doppelnamen "Holländische Papiermühle" und "Werbelliner-Kanal-Kolonie". Im Landbuch der Mark Brandenburg wurde geschrieben:" Am Werbelliner Fluß gründete Friedrich Wilhelm der Große durch einen Papiermüller aus den Niederlanden, woselbst die Papierproduktion den höchsten Grad der Vollendung in jener Zeit erstiegen hat, die holländische Papiermühle, bei der, als sein großer Urenkel König Friedrich II. das Fließ schiffbar machen ließ, 1766 eine Kolonie angelegt wurde.

Sie wird nach der Mühle, aber auch Werbelliner-Kanal-Kolonie genannt. Gleichzeitig entstand eine kleine Kolonie "Rosenbeck" an der zweiten Schleuse des gedachten Kanals." Noch heute deuten die Namen "Aalkastenbrück" und "Bekenbrück" die Stellen an, wo einst das Fließ und auch der Kanal überbrückt waren. Um 1710 beginnt die 12 monatige Bauzeit der Mühle. Wegen der gut laufenden Geschäfte, wird die Papiermühle wenig später erweitert und für 6 Jahre dem Papiermacher Paul Lange überlaßen. Dieser legt sie aber einstweilen still. Der Kurfürst schenkte sie 1726 dem Buchhändler Rüdiger. Sieben Jahre später wird Samuel Friedrich Schottler, auch Schleusenmeister der zwei Schleusen des Werbellinkanals, Besitzer der Mühle.

Mit den Jahren entstanden auf dem Mühlengrundstück ein Herrschaftshaus, Arbeiterhäuser, Wirtschafts- und Stallgebäude. Hergestellt wurde grobes, gelbes Schreibpapier. Da es im Ort weder Schule noch Kirche gab, wurde alles von Groß Schönebeck aus betreut. Das Leben in der Kolonie am Kanal lief geordnet ab. Das Holz für neue Kolonistenhäuser kam, aus der Schorfheide. Jeder Kolonist hatte ein Viertel eines Fachwerkhauses, mit Hof über der Straße, auf welcher ein Brunnen stand. Die Gärten befanden sich auf der anderen Straßenseite. Bis heute ist die Struktur der ersten (westlichen) und zweiten Koloniestraße erhalten.

Im Jahre 1877 wird die alte Papiermühle durch eine Korn- und Sägemühle ersetzt. Die stetige Absenkung des Wasserspiegels des Werbellinsees erschwerte die Schifffahrt so, daß oft die Kähne festsaßen. So veräußerte der Besitzer die Mühle an den Staat. Den Kolonisten wurden Abfindungsparzellen zugeteilt. Und so entstand 1879 ein neuer Ortsteil. Vom ortsansäßigen Klaus Thiede kam der Vorschlag der Ortsumbenennung. "Hiet die Fiersterei "Eichheide", kann unser Dörp och Eichhorst heten", soll er damals gesagt haben. Sehr wahrscheinlich war auch die heute 850jährige Eiche in der Dorfmitte Anstoß zur Namenänderung.

Quellen: Mit freundlicher Unterstützung der Stadtbibliothek Joachimsthal