Einst am Grimnitzsee standen die kaum noch bekannten frühindustriellen Produktionsstätten, welche die Keimzellen der märkischen Glasindustrie bildeten. Die Errichtung der ersten Glashütte stand im engen Zusammenhang mit dem Wirken des Alchemisten Leonharrd Thurneysser, den der brandenburgische Kurfürst Johan Georg 1571 zu seinem Hofalchimisten und Leibarzt berufen hatte.
Als Günstling des Kurfürsten weilte er oft auf dessen Jagdschloß Grimnitz und fand in der Umgebung reichlich Rohmaterial für die Glasherstellung: Sand Wiesenkalk, Pottasche (hergestellt aus Buchenasche) und viel Holz zur Feuerung der Schmelzöfen. Wann die erste Glashütte erbaut worden ist, ist nicht genau bekannt, sie hat aber 1755 bereits bestanden, wie ein datierter Schreibfund bezeugt. Zeitweise hat Thurneysser den Herstellungs-gang selbst überwacht und nach seinen Angaben und Zeichnungen Gläser und Gefäße für seine chemischen Untersuchungen anfertigen lassen.
1584 fiel er in Ungnade und mußte das Land verlassen. Die Glashütte soll an der Stelle gestanden haben, wo 1607 durch Kurfürst Joachim die Fürstenschule erbaut wurde. Diese erste Glashütte stellte vorwiegend billiges, grünes Gebrauchsglas her. Im Oktober 1601 schickte der Kurfürst den Berliner Münzmeister Heinrich von Rehnen nach Böhmen, um erfahrene Glasmacher und Geräte zur Herstellung von "allerley schön, künstlich und gut Glaswerk" nach Grimnitz zu holen. Für sie wurde eine zweite Hütte "Bey seinem Jagdhause Grimnitz" errichtet, die im April 1602 mit der Fertigung begann und auch oder vorwiegend weißes Glas herstellte.
Die Produktion der beiden Hütten schien so umfangreich zu sein, daß der Kurfürst noch im gleichen Jahr eine Verordnung erließ, die jegliche Einfuhr fremden, besonders böhmischen Glases verbot. Von den hier gefertigten Kunstgläsern sind einige erhalten geblieben, u. a. ein prächtiger Fürstenpokal mit der Jahresangabe 1602 im "Grünen Gewölbe" in Dresden. Im Jahre 1607 wurden die Hütten "wegen übermäßiger Verwüstung der Wildbahnen und Heyden" nach Marienwalde (heute polnisch Bierzwnik) östlich der Oder verlegt. Da die Hütte in Marienwalde nicht in der Lage war, das Fürstentum mit ausreichend Glaswaren zu versorgen, gab der Kurfürst dem Oberjägermeister J. G. von Hertefeld 1653 den Auftrag zur Anlage einer neuen Glashütte bei Grimnitz.
Wenig später wurde erneut ein Einfuhrverbot für fremdes Glas, wegen guter Produktion erlassen. Diese dritte Hütte lag nach einer Karte von 1780 zwischen dem Nordende des Werbellinsees und dem gleichnamigen Bahnhof in der Nähe des Wasserfalls. Sie wurde später an das Südufer des Grimnitzsees auf die so genannte Kleebuchte verlegt, wo von 1684 bis 1700 Gabriel Supen und 1700/21 sein Schwiegersohn Georg Krause Hüttenpächter war. Die vierte Hütte lässt sich noch heute in der Nähe des Friedhofes von Althüttendorf durch Bodenfunde von Ofenschlacke, Glasscherben und Glasmarken nachweisen. (Althüttendorf hat seinen Namen aber erst später, nach Ansiedlung der Hüttenarbeiter für die fünfte und sechste Hütte erhalten.)
Die Glasmarken oder Flaschenstempel waren das Zeichen der heimischen Produktion; sie trugen den Namen der Hütte und das Herstellungsjahr, manchmal auch die Initialen der Glasmacher oder, bei größeren Aufträgen, der Auftragsgeber. Hergestellt wurden Gebrauchsgläser, wie Flaschen, Trink- und andere Hohlgläser, Apothekengläser und Arzneiflaschen sowie große Mengen Fensterscheiben, so genannte Ochsenaugen für Butzenscheiben (bis 1782) und Schoffglas für viereckige Fensterscheiben. Bemalte und vor allem kunstvolle Gläser sind hier nach 1700 kaum noch gefertigt worden.
Die vierte Hütte wurde 1721 wegen "Alters
und wegen zubesorgender Feuergefahr" abgebrochen und eine fünfte Hütte
weiter östlich auf dem Gelände des Amtes Grimnitz, dem heutigen
Neugrimnitz errichtet. 1751 waren insgesamt 388 Arbeitskräfte, darunter 12
Glasmacher, beschäftigt. Auch um Neugrimnitz lassen sich durch Funde von
Schlacke, Glasbruch und Glasmarken zwei etwa auf 1 km entfernte
Hüttenstandorte nachweisen. Die fünfte Hütte lag östlich der Straße
Althüttendorf-Neugrimnitz hinter der Autobahnbrücke auf einem Hügel in der
Nähe der elektrischen Überlandleitung, die sechste Hütte mitten in der
heutigen Gemeinde Neugrimnitz. 1792 wurde hier die Hüttenpacht nicht mehr
erneuert, sondern an die Witwe Pirl aus Neuglobsow vergeben, die 1752/80
die Glashütte Globsow und ab 1780 die von Neuglobsow leitete. Damit endete
die über 200 Jahre währende Tradition der Glasherstellung am Grimnitzsee.
Quellen: 1976: Werbellinsee, Brockhaus
Wanderheft; Brockhausverlag, Leibzig | Mit freundlicher Unterstützung der
Stadtbibliothek Joachimsthal


