Joachimsthal Groß Schönebeck Altenhof Eichhorst
Joachimsthal ist die einzige Stadt in der Schorfheide. Sie breitet sich auf dem westlichen Kamm und am Nordhang der hügligen Endmoräne zwischen Webellin- und Grimnitzsee aus. Eine beherrschende strategische Lage zwischen zwei Seen, der geeignete Ort für die Askanier, Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg. Obwohl die Stadt Joachimsthal nicht mehr in Besitz einer Gründungsurkunde ist, kann mit Sicherheit angenommen werden, daß sie aufgrund eines vom 1. Januar 1604 gegebenen Erlasses gegründet wurde. Gesiegelt und unterschrieben im Hoflager Cölln an der Spree vom Kurfürsten Joachim. Den eigentlichen Ursprung bildeten bereits in jener Zeit einige Wohnhäuser, die zur Grimnitzer Glashütte gehörten. Burg Grimnitz wurde bereits im Jahre 1247 vom Markgraf Johann angelegt. Aus dem "Brandenburgischen Gläserbuch" des Historikers Rudolf Schmitt geht hervor, daß Kurfürst Joachim die erste Glashütte im Jahre 1602 bei uns entstehen ließ, die es in Brandenburg damals gab, um neue Möglichkeiten zu schaffen, sein Wohlleben zu sichern. Zwei weitere wurden in der Nähe (Ruttendorf und Neugrimnitz) gegründet. Um recht viele Menschen zur Ansiedlung zu gewinnen, wurde allen ein Steuererlass zugesichert. Wer sich auf vier Jahre von allen außerordentlichen Abgaben befreien wollte und in der Glashütte arbeiten, wer gründlichst über Herkunft und erlerntes Handwerk Auskunft geben konnte, war in Joachimsthal genehm. So gehörten zu jedem Haus ein Hofraum, 5 Morgen Ackerland und 3 Morgen Wiesenland, daß von den Bürgern selbst gerodet werden mußte. An Rindern durfte jeder so viele halten, wie er im Winter durchfüttern konnte, jedoch nicht mehr als 15 Stück. Für zwei Schweine war die Mast frei. Ziegen und Schafe durften nicht gehalten werden, da die Waldreviere nur zu Jagdzwecken der Fürsten dienten. Zur Heizung durfte sich jeder Ansiedler Holz holen, welches Glasbrenner und Holzhauer übrig ließen. Auf das Abholzen von Stämmen stand eine harte Strafe von zehn Tagen Haft. Damals wurde viel Hopfen angebaut. Das Verkaufsrecht jedoch nahm der Kurfürst für sich in Anspruch. Auf Schloß Grimnitz befand sich eine Brauerei, aus der sich jeder Joachimsthaler, gegen billige Bezahlung mit echtem "Grimnitzer Hofbräu" versorgen konnte. Die erste Kirche von Joachimsthal, ein Barockbau, entstand um 1607. Darin befand sich der schöne Altar der Schloßkirche zu Potsdam, mit drei Hauptbildern der Passionsgeschichte. Im Jahre 1740 zerfiel jedoch die mit reichem Schmuck gezierte baufällige Kirche. Im Jahr 1607 gründete der Kurfürst das Joachimsthaler Gymnasium, daß etwa 130 Schüler aufnahm, die hauptsächlich aus Adelskreisen stammten. Der 30jährige Krieg (1618-48) wütete auch in Joachimsthal. In den Wirren des Krieges wird die Schule zerstört. Nachdem die deutschen Fürsten vom Reich völlig unabhängig waren und Deutschland in nunmehr 296 weltliche und geistliche Fürstentümer zerfiel, verschärfte sich die Ausbeutung der Bauern durch den grundbesitzenden Adel immer mehr. Brand, Armut, Pest und Verwilderung der Sitten wirkten sich auch in Joachimsthal aus. Drei Plünderungen schlimmster Art fanden statt. Die erste bereits 1627, als dänische Söldner gegen Tilly kämpften. Der zur Zeit des 30jährigen Krieges regierende Fürst Georg Wilhelm versuchte seine Stellung durch Neutralität zu wahren. Dem Eindringen fremder Truppen setzte er keinen Widerstand entgegen. 1631 wurde Joachimsthal erneut durch die Truppen des Schwedenkönigs Gustav Adolfs geplündert. In der Nacht vom 5. zum 6. Januar 1636 überfielen verkappte Ritter die Stadt und zerstörten sie fast gänzlich. Ein Teil der Bevölkerung floh nach Angermünde. Georg Wilhelm gewährte nach der Zerstörung einige Privilegien, um die Bewohner für einen Neubau anzuspornen. Nur langsam fand Joachimsthal nach dem 30jährigen Krieg wieder in Dasein zurück. Schloß Grimnitz war nur noch eine Ruine, nur die Grundmauern hatten Stand gehalten. Die Stadtkirche war der Zerstörung entgangen. Laut Kirchenbuch enthielt der ganze Bezirk noch etwa 200 Leute. Im Jahre 1654 wurde eine neue Glashütte eingerichtet. Sie stand in der Nähe des Forsthauses am Bahnhof Werbellinsee und bestand bis zum Jahre 1724. Leid und Not kamen immer wieder über Joachimsthal. Im Jahre 1724, wenige Jahre vor Ausbruch des Schlesischen Krieges wütete in Joachimsthal die Ruhr, die zahllose Opfer forderte. Hinzu kamen der ungewöhnlich kalte Winter des Jahres 1739/40, der kälteste des Jahrhunderts, der bis Monat Mai hinein dauerte, so daß die Saat erfror. Trotz der armseligen Verhältnisse hat Joachimsthal immer wieder an Einwohnerzahl zugenommen. 1751 beschäftigte die Grimnitzter Glashütte vierzehn Glasmacher und rund siebzig weitere Arbeiter. Einige Glasmacher kamen von weit her, aus Böhmen, Österreich, Belgien und Schweden. Da ab 1782 die Glashütten in der Mark Brandenburg mit Steinkohle beschickt wurden, entfiel für viele Bauern der notwendige zusätzliche Verdienst aus dem Fuhrlohn für das Heranschaffen des Holzes. Neben den Arbeiten der Glashütte verdiente ein Teil der Joachimsthaler sein Geld als Aschebrenner, Teerschweler und Holzköhler. 1771 fanden sich im Ort noch 3 Pottasche-Siedereien, die große Mengen Laubholz verbrannten. Die vernichtende Niederlage der Preußen bei Jena brachte die ganze Fäulnis der preußischen Staatsordnung und ihrer feudal-leibeigenschaftlichen Grundlage an den Tag. Nach der Zerstörung des preußischen Heeres im Oktober 1806, besetzte Napoleon Berlin und damit fast das gesamte Preußen. Auch Joachimsthal bekam den Krieg zu spüren. Die Franzosen zogen in die Uckermark ein und stellten sie unter ihre Verwaltung. Die Stadt mußte 496 Taler aufbringen und den Eid der Treue und des Gehorsams leisten. In den Jahren 1807 und 1808 hatten die preußischen Provinzen rund 100 Millionen France aufzubringen, von allen Vermögenswerten, vom Viehbestand und von der Aussaat mussten Abgaben geleistet werden. Damals, um 1806, zählte Joachimsthal 1107 Einwohner und besaß 181 Feuerstellen. Nur acht Gebäude waren mehrstöckig. Die Erwerbsverhältnisse waren dürftig. Die Ackerbürger waren weiterhin gezwungen durch Holzabfuhr ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der kärgliche Boden brachte nicht genug Ernte. Es gab nur wenige Handwerker und einige Branntweinbrenner. Durch Befehl Napoleons wurde im Oktober 1808 endlich die Besatzung teilweise aufgehoben, die bis zur endgültigen Tilgung der Kriegsschulden in der Mark Brandenburg bleiben sollten. Nach Abzug der Truppen begann eine Zeit harter Arbeit. Die tiefe Empörung gegen die Politik der Ausplünderung und gewaltsamen Unterdrückung Napoleons, besonders in Preußen, ließ den nationalen Widerstand von Tag zu Tag immer stärker werden. Auch die Joachimsthaler brachten dem großen Freiheitsziel ihre Opfer. Schwerstes Unglück traf Joachimsthal durch einen furchtbaren Brand, der in der Nacht vom 20. zum 21. April 1814 in weniger als einer Stunde 40 Häuser, die Kirche und alle öffentlichen Gebäude der Stadt in Schutt und Asche legte. Um 1817 wurde eine neue Kirche nach Entwürfen des berühmten Baumeisters Schinkel in Form eines griechischen Kreuzes errichtet. Um die Jahrhundertwende zählte die Stadt etwa 2000 Einwohner. Der größte Teil der Bevölkerung war in der Landwirtschaft und in den Steingruben tätig. Die erste Steingrube lag in der Nähe des Bahnhofs Werbellinsee. Heute steht das Bahnhofsgebäude selbst auf einem ausgeweiteten, früheren Steinfeld. Damals wurden 100 bis 200 Taler für einen Morgen Ausbeutungsland an die Besitzer gezahlt. Der Abtransport der behauenen Steine erfolgte auf dem Wasserwege. Im Jahre 1892 wurde ein Förderband zur Michenablage am Werbellinsee gebaut. Durch diese Anlage wurden 50 bis 60 Zugpferde ersetzt. Am 6. Juli 1894 gründete sich die freiwillige Feuerwehr, mit Handdruckspritze und Pferdezug. 1906 entstand bei der Ablage Michen ein staatliches Sägewerk mit zwei Vollgattern und einem Horizontalgatter. Um 1910 entstand das große Schotterwerk am Bahnhof Althüttendorf. Der erste Weltkrieg (1914-1918) brachte für die Bevölkerung der Stadt große Opfer an Menschen und wirtschaftliche Rückschläge. Während des zweiten Weltkrieges blieb Joachimsthal von Bomben verschont. Durch eine Proklamation am 27. April von Walter Schuster, Charlotte Haerecke, Fritz Schmitt, Dr. Alberti, Frau Manteuffel und des Ehrenbürgers Dr. van Velzen, die den sowjetischen Offizieren überreicht wurde, blieb Joachimsthal von weiteren Kampfhandlungen verschont. Nach dem Sturz der Reichsregierung 1945, der Einnahme der Hauptstadt durch die rote Armee, beginnt für die Menschen eine neue Entwicklungsetappe. Umfangreiche Reparationszahlungen an die Sowjetunion mussten geleistet werden. Tag für Tag rollten Eisenbahnwaggons mit wertvollen Hölzern in Richtung Osten. Im Anbauplan für das Jahr 1945/46 wurden für Joachimsthal 115 Mittel-, Klein- und Kleinstbesitzer an Grund und Boden genannt. Die größten Bauern besitzen 24 ha, es gab sage und schreibe 51 Handwerksbetriebe, 14 arbeiteten noch nicht, da die Inhaber in Gefangenschaft waren. Für die Ausbildung von Forsteleven denkt die Landesregierung Brandenburg an die Errichtung einer Forstschule in Joachimsthal. Alles Möglichkeiten für einen hoffnungsvollen Anfang. Die Geschichte nimmt einen anderen Verlauf. Staatliche Forstwirtschaftsbetriebe, landwirtschaftliche Berufs-genossenschaften und Produktionsgenossenschaften des Handwerks werden gegründet. Eigeninitiativen sind nicht gefragt. Brandenburg als Land wurde 1952 aufgelöst. Es entstehen die Bezirke Frankfurt/Oder, Cottbus, Potsdam und Neubrandenburg. 1959 baute man in Joachimsthal die Georg-Büchner-Oberschule mit Turnhalle auf dem Lehmberg. Eine zentrale Wasser-versorgung wurde 1959 bis 1962 realisiert. 1975 rekonstruierte man die Kinderkrippe. Im Dezember 1977 bildeten die Stadt Joachimsthal mit den Gemeinden Friedrichswalde, Parlow/Glambeck, Althüttendorf, Neugrimnitz, Groß Ziethen, Klein Ziethen und Senftenhütte einen Gemeindeverband mit dem Sitz in Joachimsthal. Die Historiker haben immer wieder geforscht, worin wohl die Ursachen für die Gründung einer Stadt im Gebiet der Schorfheide bestanden. Dafür gibt es scheinbar mehrere Gründe. Erstens muß man wohl davon ausgehen, daß die Anregung zur Stadtgründung vom Kurfürst selbst ausging. Wahrscheinlich hat er auf den Lehmbergen, da wo heute die Gesamtschule steht, den Entschluß gefaßt, im sich vor ihm ausgestreckten Tal eine Stadt mit seinem Namen zu gründen. -Joachimsthal. Gleichzeitig gab er ihr auch ein Wappen. Das Wappen zeigt den mit einer Krone versehenen roten brandenburgischen Adler, der auf einem blauen, bankartigen Postament steht. Auf seiner Brust trägt er die goldenen Buchstaben J. F. Damit reiht sich das Joachimstahler in die Kategorie derjenigen Zeichen ein, die ihre Abhängigkeit von einem Städtegründer kennzeichnet. Die Initialen deuten auf den Gründer Joachim Friedrich hin, der rote Adler auf die Landeszugehörigkeit. Ein weiterer Grund für die Gründung der Stadt ist so zu sehen. Es bestand für das Jahr 1601 eine Order, dem zufolge ein Ausbau der Grimnitzer Glashütte zu erfolgen hatte, die bereits um 1577 entstanden war. Für diese Glashütte rief der Landesherr Glasmacher aus Böhmen herbei. So entstand als Wohnort für die Grimnitzer Glasbläser und für "besonders auch andere Handwerker", die sich "mehr dordt begeben und setzen möchten..." nicht zu nah am kurfürstlichen Schloß Grimnitz, die Stadt. Der märkische Handelsunternehmer hatte in der Grimnitzer Heide einen Großhandel mit Mastbäumen begonnen, dabei wurde er für 10 Jahre mit Aufträgen vom Kurfürsten versorgt. So mancher Kiefernstamm nahm seinen Weg von Grimnitz als Segelmast durch die Welt. Derselbe Scholle handelte übrigens auch mit Hirschgeweihen. Für den Einschlag von Mastbäumen, Abfuhr und Verfloßung des Holzes benötigte er Arbeitskräfte, die hoffte er in einer neuen Stadt zu gewinnen. Der Unternehmer handelte auch mit Glas, mußte aber bald sein Geschäft aus Mangel an Krediten aufgeben. Quellen: Mit freundlicher Unterstützung der Stadtbibliothek Joachimsthal top
Joachimsthal ist die einzige Stadt in der Schorfheide. Sie breitet sich auf dem westlichen Kamm und am Nordhang der hügligen Endmoräne zwischen Webellin- und Grimnitzsee aus. Eine beherrschende strategische Lage zwischen zwei Seen, der geeignete Ort für die Askanier, Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg. Obwohl die Stadt Joachimsthal nicht mehr in Besitz einer Gründungsurkunde ist, kann mit Sicherheit angenommen werden, daß sie aufgrund eines vom 1. Januar 1604 gegebenen Erlasses gegründet wurde. Gesiegelt und unterschrieben im Hoflager Cölln an der Spree vom Kurfürsten Joachim. Den eigentlichen Ursprung bildeten bereits in jener Zeit einige Wohnhäuser, die zur Grimnitzer Glashütte gehörten. Burg Grimnitz wurde bereits im Jahre 1247 vom Markgraf Johann angelegt. Aus dem "Brandenburgischen Gläserbuch" des Historikers Rudolf Schmitt geht hervor, daß Kurfürst Joachim die erste Glashütte im Jahre 1602 bei uns entstehen ließ, die es in Brandenburg damals gab, um neue Möglichkeiten zu schaffen, sein Wohlleben zu sichern. Zwei weitere wurden in der Nähe (Ruttendorf und Neugrimnitz) gegründet.
Um recht viele Menschen zur Ansiedlung zu gewinnen, wurde allen ein Steuererlass zugesichert. Wer sich auf vier Jahre von allen außerordentlichen Abgaben befreien wollte und in der Glashütte arbeiten, wer gründlichst über Herkunft und erlerntes Handwerk Auskunft geben konnte, war in Joachimsthal genehm. So gehörten zu jedem Haus ein Hofraum, 5 Morgen Ackerland und 3 Morgen Wiesenland, daß von den Bürgern selbst gerodet werden mußte. An Rindern durfte jeder so viele halten, wie er im Winter durchfüttern konnte, jedoch nicht mehr als 15 Stück. Für zwei Schweine war die Mast frei. Ziegen und Schafe durften nicht gehalten werden, da die Waldreviere nur zu Jagdzwecken der Fürsten dienten. Zur Heizung durfte sich jeder Ansiedler Holz holen, welches Glasbrenner und Holzhauer übrig ließen. Auf das Abholzen von Stämmen stand eine harte Strafe von zehn Tagen Haft. Damals wurde viel Hopfen angebaut. Das Verkaufsrecht jedoch nahm der Kurfürst für sich in Anspruch. Auf Schloß Grimnitz befand sich eine Brauerei, aus der sich jeder Joachimsthaler, gegen billige Bezahlung mit echtem "Grimnitzer Hofbräu" versorgen konnte. Die erste Kirche von Joachimsthal, ein Barockbau, entstand um 1607. Darin befand sich der schöne Altar der Schloßkirche zu Potsdam, mit drei Hauptbildern der Passionsgeschichte. Im Jahre 1740 zerfiel jedoch die mit reichem Schmuck gezierte baufällige Kirche. Im Jahr 1607 gründete der Kurfürst das Joachimsthaler Gymnasium, daß etwa 130 Schüler aufnahm, die hauptsächlich aus Adelskreisen stammten.
Der 30jährige Krieg (1618-48) wütete auch in Joachimsthal. In den Wirren des Krieges wird die Schule zerstört. Nachdem die deutschen Fürsten vom Reich völlig unabhängig waren und Deutschland in nunmehr 296 weltliche und geistliche Fürstentümer zerfiel, verschärfte sich die Ausbeutung der Bauern durch den grundbesitzenden Adel immer mehr. Brand, Armut, Pest und Verwilderung der Sitten wirkten sich auch in Joachimsthal aus. Drei Plünderungen schlimmster Art fanden statt. Die erste bereits 1627, als dänische Söldner gegen Tilly kämpften. Der zur Zeit des 30jährigen Krieges regierende Fürst Georg Wilhelm versuchte seine Stellung durch Neutralität zu wahren.
Dem Eindringen fremder Truppen setzte er keinen Widerstand entgegen. 1631 wurde Joachimsthal erneut durch die Truppen des Schwedenkönigs Gustav Adolfs geplündert. In der Nacht vom 5. zum 6. Januar 1636 überfielen verkappte Ritter die Stadt und zerstörten sie fast gänzlich. Ein Teil der Bevölkerung floh nach Angermünde. Georg Wilhelm gewährte nach der Zerstörung einige Privilegien, um die Bewohner für einen Neubau anzuspornen. Nur langsam fand Joachimsthal nach dem 30jährigen Krieg wieder in Dasein zurück. Schloß Grimnitz war nur noch eine Ruine, nur die Grundmauern hatten Stand gehalten. Die Stadtkirche war der Zerstörung entgangen. Laut Kirchenbuch enthielt der ganze Bezirk noch etwa 200 Leute. Im Jahre 1654 wurde eine neue Glashütte eingerichtet. Sie stand in der Nähe des Forsthauses am Bahnhof Werbellinsee und bestand bis zum Jahre 1724. Leid und Not kamen immer wieder über Joachimsthal. Im Jahre 1724, wenige Jahre vor Ausbruch des Schlesischen Krieges wütete in Joachimsthal die Ruhr, die zahllose Opfer forderte. Hinzu kamen der ungewöhnlich kalte Winter des Jahres 1739/40, der kälteste des Jahrhunderts, der bis Monat Mai hinein dauerte, so daß die Saat erfror.
Trotz der armseligen Verhältnisse hat Joachimsthal immer wieder an Einwohnerzahl zugenommen. 1751 beschäftigte die Grimnitzter Glashütte vierzehn Glasmacher und rund siebzig weitere Arbeiter. Einige Glasmacher kamen von weit her, aus Böhmen, Österreich, Belgien und Schweden. Da ab 1782 die Glashütten in der Mark Brandenburg mit Steinkohle beschickt wurden, entfiel für viele Bauern der notwendige zusätzliche Verdienst aus dem Fuhrlohn für das Heranschaffen des Holzes. Neben den Arbeiten der Glashütte verdiente ein Teil der Joachimsthaler sein Geld als Aschebrenner, Teerschweler und Holzköhler. 1771 fanden sich im Ort noch 3 Pottasche-Siedereien, die große Mengen Laubholz verbrannten. Die vernichtende Niederlage der Preußen bei Jena brachte die ganze Fäulnis der preußischen Staatsordnung und ihrer feudal-leibeigenschaftlichen Grundlage an den Tag. Nach der Zerstörung des preußischen Heeres im Oktober 1806, besetzte Napoleon Berlin und damit fast das gesamte Preußen. Auch Joachimsthal bekam den Krieg zu spüren. Die Franzosen zogen in die Uckermark ein und stellten sie unter ihre Verwaltung. Die Stadt mußte 496 Taler aufbringen und den Eid der Treue und des Gehorsams leisten. In den Jahren 1807 und 1808 hatten die preußischen Provinzen rund 100 Millionen France aufzubringen, von allen Vermögenswerten, vom Viehbestand und von der Aussaat mussten Abgaben geleistet werden. Damals, um 1806, zählte Joachimsthal 1107 Einwohner und besaß 181 Feuerstellen. Nur acht Gebäude waren mehrstöckig. Die Erwerbsverhältnisse waren dürftig. Die Ackerbürger waren weiterhin gezwungen durch Holzabfuhr ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der kärgliche Boden brachte nicht genug Ernte. Es gab nur wenige Handwerker und einige Branntweinbrenner. Durch Befehl Napoleons wurde im Oktober 1808 endlich die Besatzung teilweise aufgehoben, die bis zur endgültigen Tilgung der Kriegsschulden in der Mark Brandenburg bleiben sollten.
Nach Abzug der Truppen begann eine Zeit harter Arbeit. Die tiefe Empörung gegen die Politik der Ausplünderung und gewaltsamen Unterdrückung Napoleons, besonders in Preußen, ließ den nationalen Widerstand von Tag zu Tag immer stärker werden. Auch die Joachimsthaler brachten dem großen Freiheitsziel ihre Opfer. Schwerstes Unglück traf Joachimsthal durch einen furchtbaren Brand, der in der Nacht vom 20. zum 21. April 1814 in weniger als einer Stunde 40 Häuser, die Kirche und alle öffentlichen Gebäude der Stadt in Schutt und Asche legte.
Um 1817 wurde eine neue Kirche nach Entwürfen des berühmten Baumeisters Schinkel in Form eines griechischen Kreuzes errichtet. Um die Jahrhundertwende zählte die Stadt etwa 2000 Einwohner. Der größte Teil der Bevölkerung war in der Landwirtschaft und in den Steingruben tätig. Die erste Steingrube lag in der Nähe des Bahnhofs Werbellinsee. Heute steht das Bahnhofsgebäude selbst auf einem ausgeweiteten, früheren Steinfeld. Damals wurden 100 bis 200 Taler für einen Morgen Ausbeutungsland an die Besitzer gezahlt. Der Abtransport der behauenen Steine erfolgte auf dem Wasserwege. Im Jahre 1892 wurde ein Förderband zur Michenablage am Werbellinsee gebaut. Durch diese Anlage wurden 50 bis 60 Zugpferde ersetzt.
Am 6. Juli 1894 gründete sich die freiwillige Feuerwehr, mit Handdruckspritze und Pferdezug. 1906 entstand bei der Ablage Michen ein staatliches Sägewerk mit zwei Vollgattern und einem Horizontalgatter. Um 1910 entstand das große Schotterwerk am Bahnhof Althüttendorf. Der erste Weltkrieg (1914-1918) brachte für die Bevölkerung der Stadt große Opfer an Menschen und wirtschaftliche Rückschläge. Während des zweiten Weltkrieges blieb Joachimsthal von Bomben verschont. Durch eine Proklamation am 27. April von Walter Schuster, Charlotte Haerecke, Fritz Schmitt, Dr. Alberti, Frau Manteuffel und des Ehrenbürgers Dr. van Velzen, die den sowjetischen Offizieren überreicht wurde, blieb Joachimsthal von weiteren Kampfhandlungen verschont.
Nach dem Sturz der Reichsregierung 1945, der Einnahme der Hauptstadt durch die rote Armee, beginnt für die Menschen eine neue Entwicklungsetappe. Umfangreiche Reparationszahlungen an die Sowjetunion mussten geleistet werden. Tag für Tag rollten Eisenbahnwaggons mit wertvollen Hölzern in Richtung Osten. Im Anbauplan für das Jahr 1945/46 wurden für Joachimsthal 115 Mittel-, Klein- und Kleinstbesitzer an Grund und Boden genannt. Die größten Bauern besitzen 24 ha, es gab sage und schreibe 51 Handwerksbetriebe, 14 arbeiteten noch nicht, da die Inhaber in Gefangenschaft waren. Für die Ausbildung von Forsteleven denkt die Landesregierung Brandenburg an die Errichtung einer Forstschule in Joachimsthal.
Alles Möglichkeiten für einen hoffnungsvollen Anfang. Die Geschichte nimmt einen anderen Verlauf. Staatliche Forstwirtschaftsbetriebe, landwirtschaftliche Berufs-genossenschaften und Produktionsgenossenschaften des Handwerks werden gegründet. Eigeninitiativen sind nicht gefragt. Brandenburg als Land wurde 1952 aufgelöst. Es entstehen die Bezirke Frankfurt/Oder, Cottbus, Potsdam und Neubrandenburg. 1959 baute man in Joachimsthal die Georg-Büchner-Oberschule mit Turnhalle auf dem Lehmberg. Eine zentrale Wasser-versorgung wurde 1959 bis 1962 realisiert. 1975 rekonstruierte man die Kinderkrippe. Im Dezember 1977 bildeten die Stadt Joachimsthal mit den Gemeinden Friedrichswalde, Parlow/Glambeck, Althüttendorf, Neugrimnitz, Groß Ziethen, Klein Ziethen und Senftenhütte einen Gemeindeverband mit dem Sitz in Joachimsthal. Die Historiker haben immer wieder geforscht, worin wohl die Ursachen für die Gründung einer Stadt im Gebiet der Schorfheide bestanden. Dafür gibt es scheinbar mehrere Gründe. Erstens muß man wohl davon ausgehen, daß die Anregung zur Stadtgründung vom Kurfürst selbst ausging. Wahrscheinlich hat er auf den Lehmbergen, da wo heute die Gesamtschule steht, den Entschluß gefaßt, im sich vor ihm ausgestreckten Tal eine Stadt mit seinem Namen zu gründen. -Joachimsthal. Gleichzeitig gab er ihr auch ein Wappen.
Das Wappen zeigt den mit einer Krone versehenen roten brandenburgischen Adler, der auf einem blauen, bankartigen Postament steht. Auf seiner Brust trägt er die goldenen Buchstaben J. F. Damit reiht sich das Joachimstahler in die Kategorie derjenigen Zeichen ein, die ihre Abhängigkeit von einem Städtegründer kennzeichnet. Die Initialen deuten auf den Gründer Joachim Friedrich hin, der rote Adler auf die Landeszugehörigkeit. Ein weiterer Grund für die Gründung der Stadt ist so zu sehen. Es bestand für das Jahr 1601 eine Order, dem zufolge ein Ausbau der Grimnitzer Glashütte zu erfolgen hatte, die bereits um 1577 entstanden war.
Für diese Glashütte rief der Landesherr Glasmacher aus Böhmen herbei. So entstand als Wohnort für die Grimnitzer Glasbläser und für "besonders auch andere Handwerker", die sich "mehr dordt begeben und setzen möchten..." nicht zu nah am kurfürstlichen Schloß Grimnitz, die Stadt. Der märkische Handelsunternehmer hatte in der Grimnitzer Heide einen Großhandel mit Mastbäumen begonnen, dabei wurde er für 10 Jahre mit Aufträgen vom Kurfürsten versorgt. So mancher Kiefernstamm nahm seinen Weg von Grimnitz als Segelmast durch die Welt. Derselbe Scholle handelte übrigens auch mit Hirschgeweihen. Für den Einschlag von Mastbäumen, Abfuhr und Verfloßung des Holzes benötigte er Arbeitskräfte, die hoffte er in einer neuen Stadt zu gewinnen. Der Unternehmer handelte auch mit Glas, mußte aber bald sein Geschäft aus Mangel an Krediten aufgeben.
Quellen: Mit freundlicher Unterstützung der Stadtbibliothek Joachimsthal
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